Adrian Newey, Wie man ein Auto baut, ein Leben für die Formel 1

Adrian Newey: Tiefe Einblicke in die Formel 1

Tatsächlich ist der Pantauro-Verlag den meisten Motorsport-Enthusiasten wenig geläufig. Zumindest steht er nicht für automobiltechnische Publikationen (beispielsweise publizieren die Salzburger auch Bücher über Papierflieger oder das Klettern). Umso interessanter: Kürzlich erschien die deutsche Ausgabe des Buches von Adrian Newey, Titel: ‚Wie man ein Auto baut. Ein Leben für die Formel 1‘. Wenn man weiß, das Pantauro eine einhundert-prozentige Red-Bull-Tochter ist, fällt der Groschen. Newey ist seit 2006 Technischer Direktor von Red-Bull-Racing. Vorab sei festgestellt: Es lohnt sich die 28 € zu investieren. Das Buch sticht unter zahllosen, oft lieblosen und PR-getriebenen (Bild-)Bänden zur Formel 1 hervor.

Aufgemacht ist das Werk typografisch großzügig und ist damit entspannt zu lesen. Es kommt in einfacher, teils auch in Umgangssprache daher. Die ‚Ich-Perspektive‘ macht es kurzweilig und authentisch. Der Übersetzer Martin Beyer sowie die Redakteure Annette Krüger und Werner Jessner, haben ganze Arbeit geleistet. Man vermisst allerdings detailliertes Fotomaterial der Fahrzeuge, was wohl auch der Geheimniskrämerei in der Königsklasse des Motorsports, selbst nach 20-30 Jahren, geschuldet ist. Die Handzeichnungen von Andrian Newey zu technischen wie aerodynamischen Lösungen sind jedoch einzigartig. Mehr private Bilder von Newey hätten das Werk allerdings noch persönlicher gemacht. Das sind jedoch die einzigen Kritikpunkte. Weiß man, dass Newey sich im Laufe seiner Karriere ungern in den Vordergrund stellte, lieber an technischen Lösungen tüftelte, kann man die wenigen persönlichen Aufnahmen verstehen. Schließlich geht es um die Technik. Und jetzt beginnt es spannend zu werden!

Die Anfänge

Biografisch korrekt, zieht sich ein roter Faden von der Kindheit Neweys in Stratford upon Avon (UK), zu den ersten Berührungspunkten mit dem Automobil, über die Ausbildung und last but not least, über die zahlreichen Karrierestationen und Fahrzeugentwicklungen. Sein Steckenpferd: Die Gestaltung von Rennwagen, das Design, die Aerodynamik. Früh hat Newey an allem möglichen gebastelt, an Karts, Motorrädern und Autos, um dann im Studium fast an der Mathematik zu scheitern. Newey ist Pragmatiker und lernte die Ableitungen einfach auswendig. Er mochte viel lieber seine Ideen praktisch umsetzen. Das er Flugzeugtechnik anstatt Maschinenbau studierte, kam ihm später bei seinen aerodynamischen Lösungen in der Indy-Car und vor allem in der Formel 1, zugute. Das Studium absolvierte er im Übrigen mit Auszeichnung.

Adrian Newey, Wie man ein Auto baut, Formel 1

77 Kapitel beschreiben die Stationen

Zu Neweys Anfängen gehörten führende Tätigkeiten bei March, später bei Williams, McLaren, zuerst in der Indy-Car, später in der Formel 1. Bis heute ist er für RedBull-Racing tätig. Er revolutionierte 1987 den Fahrzeugbau mit dem March 881, Leyton House. “ Er ist wahrscheinlich der wichtigste Wagen den ich je gestaltet habe“, so Newey. Das Buch führt über 77 Kapitel durch alle Stationen seiner Karriere. Dabei bekommt der Leser immer wieder sehr persönliche Einblicke geliefert. Newey berichtet über gescheiterte Ehen, Streiche in der Boxengasse und immer wieder offen und kritisch über Führungspersönlichkeiten und Vorgesetzte im Formel 1-Zirkus. So war Ron Dennis laut Newey ein streitbarer Kollege, der sich einen mausgrauen Tempel in Woking bei London (McLaren Technologie Center) bauen lies. Anm. d. Autors: Ich selbst war 2007 dort zu Besuch. In der Tat alles grau in grau, lieblos. Die technische Einrichtungen und die Fahrzeuge jedoch überwältigend. Newey lies sich sein Büro farbig umgestalten, was ihm Dennis sofort übel nahm.

Der Fokus liegt auf Detaillösungen

Die Highlights des Buches sind jedoch die Beschreibungen der Detaillösungen an den Fahrzeugen, an der Newey mit seinen Teams arbeitete. Immer wieder beschreibt er komplette Neukonstruktionen und Problemstellungen, meistens dem neuen FIA-Reglement geschuldet. Es fallen Begriffe wie Downforce, Übersteuern, Sidewings, Diffusor und immer wieder Strömungsfluss. In diesen Passagen tritt Adrian Neweys‘ Brillianz zutage. Man kann das Buch quasi gar nicht mehr weglegen. Das selbst im Formel 1-Zirkus leibhaftige Menschen arbeiten macht die Lektüre umso kurzweiliger. Nicht immer kommen die Stars der Szene gut weg, vielmehr werden sie zu Menschen mit Allüren und Kanten, teils beliebt, teils überaus unbeliebt. Auch das macht diese Buch, gespickt mit zahlreichen Anekdoten, so wertvoll. Über allem schwebte die allmächtige FIA und Bernie Ecclestone. Viele ist erlaubt, alles ist verboten. Anm. d. Autors: Ich selbst bekam die Härte der FIA bei einem F1-Besuch 2012 am Hockenheimring zu spüren. Ausgestattet mit einem Paddock-Club-Ticket, eingeladen von einem Sponsor des Porsche-Super-Cup, spazierte ich ins Fahrerlager. Mir war das ‚Geschnösel‘ über der Boxengasse einfach zu viel. Keine Absperrung, keine Kontrolle. Sofort waren drei Gorrillas der FIA da und haben mich ‚abgeführt‘. Ein Jahr vorher am Nürburgring habe ich noch gemütlich in der RedBull-Energie-Station gesessen, David Coultard hat mir persönlich einen Espresso serviert. Die Karte in Hockenheim entsprach der selben Kategorie.

Adrian Newey, Wie man ein Auto baut.Am Ende bleibt die Empfehlung

Wer mehr über den Motorsport, die Formel 1, die Technik, die Menschen und Adrian Newey wissen möchte, dem empfehle ich wärmstens dieses Buch. Es begeistert und entmystifiziert zugleich. Adrian Newey ist nach wie vor für RedBull-Racing tätig. Newey ist aber seit 2017 etwas vom Gas gegangen und widmet sich auch anderen Aufgaben, jenseits der Formel 1. Er war in seiner Karriere für zahlreiche technische Neuerungen, Erfolge und Weltmeistertitel, mitverantwortlich. Zum beruflichen Werdegang gehörten aber auch Tiefpunkte, wie der Tot von Ayrton Senna und Roland Ratzenberger 1994 in Imola sowie das Schicksal von Michael Schumacher. Auch diese Themen finden Berücksichtigung. Am Ende machen die tiefen Einblicke die Adrian Newey auf 418 Seiten liefert, das Buch ‚Wie man ein Auto baut‘ einzigartig. Die Originalausgabe ist 2017 unter dem Titel ‚How to built a Car, bei HarperCollins Publishers LTD in London erschienen. Die deutsche Ausgabe ist jetzt bei Pantauro (RedBull Media House) erhältlich (www.pantauro.com).

 

 

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